Die Jungfrau von Orleans

Romantische Tragödie von Friedrich Schiller

Wenn es um die Zeichnung seiner Titelfigur der Johanna von Orléans geht, überschreitet Friedrich Schiller die Grenze ins irreal Phantastische: einfaches Hirtenmädchen, außergewöhnlich schön, glühende Patriotin und vor allem hocheffiziente kriegerische Kampfmaschine von Gottes Gnaden. Sie sieht es als ihre Aufgabe, die eigentlich aussichtslose Schlacht der Franzosen gegen die Engländer zugunsten ersterer zu drehen; so jedenfalls deutet sie den Auftrag des »Geistes«, der ihr erschienen ist. Einzige Bedingung für den Erfolg: Sie darf sich in keinen Mann verlieben. Die »heilige Mission« gelingt, die Franzosen siegen, Johanna wird als Nationalheldin verehrt, dann jedoch verbannt – zu viele unheimliche, heidnische Mächte scheinen im Spiel. Als Johanna sich zu ihrem eigenen Entsetzen in einen Engländer verliebt, glaubt sie, die Gotteskraft verloren zu haben. In einer weiteren Schlacht beschert sie den Franzosen zwar noch einmal den Sieg, wird jedoch tödlich verwundet. Schiller stellt in seiner »romantischen Tragödie« mittels eines jungen Mädchens Fragen auch an unsere Zukunft: Ist die Zeit der Wunder tatsächlich vorbei? Oder werden Menschen immer einen Glauben suchen, von dem sie überzeugt sind, dass er Berge versetzen kann? Wird es zukünftig wieder zu Kämpfen um Länder und Nationen kommen und welche Sorte postdemokratischer Menschen wird sie führen?